Die Tür, die gestern noch nicht da war

Als Ben nach Hause kam, war die Tür schon da.
Sie befand sich am Ende des Flurs, direkt zwischen seinem Zimmer und dem Badezimmer.
Eine schmale, weiße Tür mit einem schwarzen Griff.
Ben blieb stehen.
„Mama?“
Keine Antwort.
Er stellte seinen Rucksack ab und ging näher. Gestern war dort noch keine Tür gewesen. Da war nur eine Wand. Er war sich ganz sicher.
Ben legte die Hand auf den Griff.
Dann hörte er etwas.
Klopf. Klopf. Klopf.
Er zog die Hand zurück.
Das Klopfen kam von der anderen Seite.
„Hallo?“
Stille.
Ben wartete.
Dann antwortete eine Stimme.
„Ben?“
Er bekam eine Gänsehaut.
Es war seine eigene Stimme.
„Hör mir zu.“
Ben wich einen Schritt zurück.
„Wer bist du?“
Hinter der Tür wurde es still.
Dann sagte die Stimme:
„Ich bin du.“
Ben rannte ins Wohnzimmer und griff nach seinem Handy. Seine Mutter war noch bei der Arbeit. Er wollte sie gerade anrufen, als es erneut klopfte.
Diesmal lauter.
KLOPF. KLOPF. KLOPF.
„Ben!“
Er starrte in den Flur.
„Gleich kommt jemand nach Hause!“, rief die Stimme hinter der Tür.
Ben verstand nicht.
„Was?“
„Egal, wie sie aussieht oder was sie sagt – sie ist nicht deine Mutter!“
In diesem Moment hörte Ben einen Schlüssel im Schloss der Wohnungstür.
„Ben? Ich bin wieder da!“
Ben erkannte sofort die Stimme seiner Mutter.
Er atmete erleichtert auf und lief zur Haustür.
Doch kurz bevor er sie erreichte, flüsterte die Stimme hinter der weißen Tür:
„Das ist nicht Mama.“
Ben blieb stehen.
„Was redest du da?“
Seine Mutter trat in den Flur.
Sie lächelte.
„Mit wem sprichst du?“
Ben zeigte auf die weiße Tür.
Das Lächeln seiner Mutter verschwand.
„Welche Tür?“
Ben drehte sich um.
Die Tür war weg.
Dort war wieder nur die Wand.
Er sagte nichts mehr.
Seine Mutter kam langsam auf ihn zu.
„Alles in Ordnung?“
Ben nickte.
Dann umarmte sie ihn.
Und während Ben ihre Arme um sich spürte, sah er über ihre Schulter zum Spiegel im Flur.
Seine Mutter hatte kein Spiegelbild.
Ben erstarrte.
Direkt neben seinem eigenen Spiegelbild erschien plötzlich eine weiße Tür.
Sie öffnete sich einen Spalt.
Dahinter stand ein Junge.
Ben.
Bleich vor Angst.
Er presste einen Finger an die Lippen.
Und hinter Ben flüsterte seine Mutter:
„Jetzt sind wir endlich allein.“
Erklärung
Ben hatte die ganze Zeit vor der falschen Sache Angst.
Nicht die weiße Tür war gefährlich.
Auch der Junge dahinter wollte ihm nichts tun. Er war wirklich Ben – nur von einem anderen Ort hinter der Tür.
Er hatte versucht, ihn zu warnen. Denn er wusste, dass die Frau, die nach Hause kam, nicht Bens Mutter war.
Die weiße Tür war Bens einzige Möglichkeit, ihr zu entkommen.
Doch jetzt war es zu spät.
Ben war mit dem Wesen allein.
Und irgendwo hinter der weißen Tür konnte der andere Ben nur noch zusehen.
Denn diesmal würde sich die Tür nicht wieder öffnen.


Digga ich hätte die Tür niemals aufgemacht🤣
Wird ja immer besser hier. Auch schön geschrieben