“Fang doch schon mal an deine Kisten auszupacken!”, rief meine Mutter mir zu.
Wir sind gerade erst in unserem neuen Haus angekommen und die Kisten mit meinen Sachen waren bereits in mein Zimmer gebracht worden. Mein neues Zimmer war wirklich der Hammer. Es lag direkt unter dem Dach und hatte ein eigenes Bad mit Dusche und ein großes eckiges Fenster durch das ich unseren Garten und das Nachbarhaus sehen konnte.
Ich stieg die Treppe hinauf, ging in mein Zimmer und begann damit meine Sachen auszupacken und einzuräumen. Da ich so vertieft darin war endlich mein neues Zimmer so einzurichten wie es mir gefiel, bemerkte ich nicht das ich beobachtet wurde. Am nächsten Tag, ich war gerade von der Schule nach Hause gekommen, setzte ich mich an meinen Schreibtisch der direkt am Fenster stand und begann mit den Hausaufgaben.
Als ich zwischendurch aufblickte, sah ich das in dem Haus gegenüber ein Mädchen am Fenster stand. Sie musste in etwa in meinem Alter sein. Ich lächelte und hob den Arm um ihr zu winken, aber genau in dem Moment drehte sie sich um und war verschwunden. Das Ganze hatte mich etwas verwirrt, doch ich dachte nicht lange darüber nach.
Vielleicht war sie einfach schüchtern. Von da an beobachtete sie mich so gut wie jeden Tag. Sie rührte sich nicht und wirkte allgemein irgendwie kühl und hatte einen starren Blick. Doch jedesmal wenn sie zu bemerken schien das ich sie sah, drehte sie sich um und verschwand. Und zwar einfach so ZACK und weg.
Etwa zwei Wochen nachdem wir in dieses Haus eingezogen waren und das Mädchen von gegenüber mal wieder durch das Fenster sah, beschloss ich nachts eine Kamera aufzustellen, um zu sehen ob sie auch zu einer solchen Zeit am Fenster stand.
Ich borgte mir die kleine Digitalkamera von meinem Vater, stellte sie ans Fenster und ging schlafen. Am nächsten Morgen wurde ich ziemlich früh wach, da ich unbedingt sehen wollte was die Kamera aufgezeichnet hatte.Doch was ich sah ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Denn dieses Mal stand das Mädchen nicht nur am Fenster und starrte vor sich hin.
Sie tauchte urplötzlich auf und riss Augen und Mund panisch auf und blickte direckt in die Kamera. Ich habe vor Schreck eine Gänsehaut bekommen. Dann wirkte es so als würde sie jemand von hinten packen und weg zerren. Ich erschrak so sehr das mir die Kamera aus den Händen rutschte und zu Boden fiel. Schnell hob ich sie wieder auf und sah nach ob sie noch funktionierte.
Das tat sie. Doch das Video von vergangener Nacht war weg. Als ob man es gelöscht hätte. Beim Abendbrot beschloss ich meine Eltern zu fragen warum wir uns beim Einzug nicht den Nachbarn von gegenüber vorgestellt hatten. Schließlich war da ja auch ein Mädchen das so alt sein musste wie ich. Meine Eltern sahen mich nur leicht verwirrt an.
“Welche Nachbarn meinst du denn?”, fragte meine Mutter in einem seltsam vorsichtigen Tonfall.
“Na die von dem Haus da”, ich zeigte in die Richtung,
“Ich hab öfters mal ein Mädchen am Fenster stehen gesehen.”
“Schatz, da wohnt niemand”, erklärte mein Vater, “Das Haus steht seit Jahren leer.”
“Aber ich hab doch jemanden gesehen”, rief ich aufgeregt.
Was redeten meine Eltern da bloß?
“Das hast du dir bestimmt nur ein eingebildet”, meinte meine Mutter.
Doch aus irgendeinem Grund sah sie meinen Vater besorgt an. Als ich nach dem Abendessen alleine in meinem Zimmer saß, ignorierte ich die Tatsache das das Mädchen von gegenüber schon wieder am Fenster stand.Vielleicht bildete ich sie mir tatsächlich nur ein, dachte ich und ging zu Bett. Da es in meinem Zimmer sehr warm war, schlief ich mit geöffnetem Fenster.
Mitten in der Nacht wurde ich durch ein Klopfen geweckt. Es dauerte einen Moment bis ich realisierte das das Klopfen von draußen kam. Ich stand auf und ging zum Fenster. Gegenüber stand das Mädchen und hämmerte wie eine Wahsinnige mit beiden Fäusten gegen die Scheibe. Jetzt werde ich wohl endgültig verrückt, dachte ich, legte mich wieder ins Bett und versuchte einzuschlafen.
Doch irgendein nagendes Gefühl hatte sich in mir breit gemacht.Das Gefühl das irgendetwas mit dem Nachbarhaus nicht stimmte.Ich nahm meinen Laptop und tippte die Adresse von dem besagten Haus ein. Als ich auf das Suchsymbol ging fragte ich mich was mich wohl erwarten würde.
Umso mehr erschrak ich darüber das die Suche mehr als 100 Treffer ergab. Ich begann zu lesen und keine fünf Minuten später kannte ich die Wahrheit.
Die Wahrheit über das Nachbarhaus.
Die Wahrheit über das seltsame Mädchen.
Sie hieß Lilliane und war vierzehn Jahre alt gewesen als sie Mitten in der Nacht vom 08 zum 09 Juli aus ihrem Bett entführt wurde. Ich schaute erschrocken zum Kalender der an meiner Wand beim Schreibtisch hing.
Wir hatten den 10 Juli.
Und in der Nacht vom 08 zum 09, exakt 12 Jahre nach der Tat, hatte ich dieses Video aufgenommen
- Gruselgeschichte: Das Mädchen am Fenster - 8. Juli 2026






