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Kurze Gruselgeschichte: Bitte mach die Tür auf

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Meine Eltern waren übers Wochenende auf einer Hochzeit und schliefen in einem Hotel, drei Autostunden entfernt. Ich war allein zu Hause. Um halb zwei lag ich im Bett und war fast eingeschlafen, als mein Handy vibrierte.

Eine Nachricht von Mama.

„Bitte mach die Tür auf.“

Ich dachte mir, sie hätten ihre Pläne geändert und ihre Haustürschlüssel vergessen. Ich schrieb zurück:

„Seid ihr schon wieder da?“

Keine Antwort.

Dafür klingelte es unten an der Haustür.

Ich lief den dunklen Flur hinunter bis hin zur Haustür. Neben der Tür ist ein schmales Fenster und davor brennt nachts die Straßenlaterne. Ich sah hinaus, aber Der Weg war leer und der Vorgarten auch. Niemand stand dort.

Mein Handy vibrierte wieder.

„Ich stehe vor der Tür.“

Mir wurde kalt und ich rief Mama an. Es klingelte lange… aber dann nahm sie endlich ab und die Stimme war schwer vom Schlaf

„Was ist denn los?“

„Wo bist du?“

„Im Hotel, im Bett. Wieso?“

Genau in diesem Moment klingelte es wieder an der Haustür, aber diesmal länger. Ich erzählte ihr von den Nachrichten und sie schwieg kurz.

„Ich habe dir nichts geschrieben. Mein Handy liegt neben mir auf dem Nachttisch.“

Da vibrierte mein Handy in meiner Hand. Eine neue Nachricht. Und schon wieder von Mamas Nummer, während ich ihre echte Stimme im Ohr hatte:

„Leg auf. Das ist nicht deine Mutter.“

Ich las es ihr vor. Am anderen Ende raschelte es und dann war Papa dran.

„Geh ins Bad und schließ dich ein. Bleib in der Leitung, wir rufen die Polizei“

Ich rannte nach oben, schloss die Badezimmertür ab, setzte mich auf den Boden und hielt das Handy fest am Ohr. Papa redete ruhig auf mich ein und unten klingelte es noch zweimal. Dann hörte es auf.

Die Stille war schlimmer als das Klingeln.

Dann sah ich aufs Display. Es war 2:07 Uhr. Eine neue Nachricht und wieder von Mama:

„Ich bin drin.“

Ich flüsterte es Papa zu.

„Die Haustür war abgeschlossen und verriegelt“, sagte er.

„Da kommt niemand rein. Bleib wo du bist.“

Ich hielt den Atem an und lauschte auf Schritte im Haus. Aber es blieb still.

Nach über zwanzig Minuten sagte Papa:

„Die Polizei steht vor der Tür. Du kannst runtergehen.“

Ich traute mich nicht. Erst als es unten klingelte und ich durch das Fenster das Blaulicht sah, schloss ich das Bad auf und ging mit zitternden Knien die Treppe hinunter. Ich schob den Riegel zurück, drehte den Schlüssel um und öffnete.

Zwei Polizisten gingen durch jeden Raum. Niemand war im Haus. Alle Fenster waren geschlossen und nirgends gab es Spuren. Die Tür hatte ich ihnen selbst aufgeschlossen, sie war bis dahin von innen verriegelt gewesen. Einer der Polizisten blieb solange, bis meine Eltern gegen sechs Uhr morgens ankamen.

Ich zeigte ihnen die Nachrichten und alle waren noch da, nur die letzte nicht.

„Ich bin drin.“

war verschwunden.

Stattdessen fand ich auf meinem Handy ein Foto, das ich nie gemacht hatte. Aufgenommen um 2:07 Uhr. In genau der Minute, in der ich im Bad saß und das Handy die ganze Zeit in der Hand hielt.

Auf dem Foto sah man eine Tür. Sie wurde von der anderen Seite fotografiert, vom Flur aus im ersten Stock.

Es war unsere Badezimmertür!

Unter ihr schimmerte ein schmaler Streifen Licht. Es war das Licht aus dem Bad, in dem ich saß. Und genau in diesem Streifen sah man zwei dunkle Stellen. So, als würden dort zwei Füße stehen.

Das Foto war also nicht von jemandem gemacht worden, der vor der Tür stand. Es war von weiter hinten im Flur aufgenommen worden und trotzdem stand jemand direkt vor der Tür.

Es waren also zwei gewesen.

Die Polizei hat niemanden gefunden, weil es keine Menschen waren. Es ist ins Haus gekommen, obwohl die Haustür verriegelt war. Es hat sich als Mama ausgegeben, weil es wollte, dass ich ihm öffne. Nur die abgeschlossene Badezimmertür stand noch zwischen uns. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich sie aufgemacht hätte!

Lizenz: CC-BY-SA 4.0 | Autor: Eisfeld_01 aus Wuppertal

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